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Hatte Jesus eine Ehefrau?

Gespeichert von admin am 3 Oktober, 2012 - 04:19

Betrifft Nordsee-Zeitung vom 20.September 2012, Seite 4/Kultur

Neuer Beweis: Hatte Jesus eine Ehefrau?

Laut NZ ist ein Papyrusschnipsel aus dem 4. Jahrhundert mit den deutlich erkennbaren Satzfetzen: „Jesus sagte zu ihnen: Meine Ehefrau…sie wäre in der Lage, meine Schülerin zu sein…“ aufgetaucht.

Das Dokument ist in koptischer Schrift geschrieben und erfüllt bisher alle kritischen – auch nicht religiösen - Bedingungen für Alter und Echtheit, so die NZ.

Einem kritischen Bibelleser, der sich von den Scheuklappen durch das römisch verordnete Lehramt befreien konnte, ist lange klar, dass Jesus und Maria Magdalena mindestens ein eheähnliches Verhältnis und eine intime Liebesbeziehung unterhielten. Man kann das bei kritischem Lesen sehr genau im Johannesevangelium 20, 11-18 nachlesen.

Kurzbeschreibung:

Maria kommt zum Grab, steht davor und weint. Sie dreht sich um und ein Mann steht hinter ihr. Sie meint, es sei der Gärtner, der die Leiche Jesu aus dem Grab weggetragen hat.

Dieser ihr unbekannte Mann spricht nur ein Wort, nämlich „Maria“. Dadurch erkennt sie ihren Jesus.

Ist das so glaubhaft? Ist die Geschichte so verständlich?

Natürlich nicht. Dieser „Gärtner“ hat auch nicht „Maria“ gesagt. Er hat den nur ihnen als Liebesgeheimnis genannten Namen gesagt, den niemand anderes kannte, überhaupt kennen konnte. Er hat ihren geheimen Kosenamen gesagt. Anders ist diese Geschichte Unsinn.

Maria hat diesen Kosenamen, den Jesus ihr gegeben hat und mit dem er sie in intimen Situationen genannt hat, natürlich niemandem weitererzählt. Dieser Name ist ein Geheimnis der beiden bis heute geblieben. Aber Marias Begegnung mit dem Auferstandenen ist so wichtig gewesen, dass man diese Geschichte unbedingt in das Johannesevangelium einbringen musste. Niemand kannte jedoch das „Zauberwort“, diesen „Kosenamen“ bis heute. Maria hat geschwiegen. Es musste jedoch ein Ersatzwort gefunden werden, das annähernd richtig ist, weil die Geschichte sonst nicht erzählbar geworden wäre.

Wie sagt der kleine Prinz: „Nur wer mit dem Herzen sieht, sieht gut!“

Weil schon seit den Tagen des Origenes (der sich „verschnitten“ hat – Hoden ex) die Erotik und Sexualität in den Bereich des Schmutzes, der Sünde und viehischen Leidenschaften abgedrängt wurde, konnte schon Augustinus die erotische Liebe und Sexualität nur als „ficken“ (rein-raus-Druck ablassen) für sich selbst verstehen und in diesem Sinne darüber nur Unsinn schreiben und predigen.

Es ist kein Zufall, dass selbst der deutsche Reformator Martin Luther, ein Augustiner-Mönch war, und diesen unzivilisierten Unsinn in seinem Leben und Werk neu - seiner Zeit entsprechend - interpretiert und weitergeführt hat.

Wie unglaublich schön klingt dagegen der Text des japanischen Zen-Meisters Ikkyu:

Der Tau der Wollust

Traumverloren wandle ich
Im duftenden Garten
Der schönen Shin.
Über dem Kissen
Pflaumenblüten
Flüstern Frühlingswonnen.
Ich schmecke den Tau der Wollust,
Köstlich, klar und rein.
O goldener Abend!
Wie soll ich
Unsagbares Weitersagen
In einem Gedicht?

 

Die analytische Psychologin Hanna Wolff hat schon in ihrem bahnbrechenden Werk „Jesus der Mann“ 1975 darauf hingewiesen, dass bei „nicht-römischer-Lesart“, also ohne die „römische Brille“ in den Evangelien ein Jesus erkennbar wird, der mit dem allseits bekannten Christentum heutiger Prägung absolut nichts mehr gemeinsam hat.

Dabei hat Hanna Wolff nur modern und neu beschrieben, was seit Jesu Zeiten immer Bestandteil gesund fühlender und denkender Menschen war. Selbst in der Aufklärung gab es den Außenseiter La Mettrie, dem Friedrich der Große zwar heimlich, aber dennoch sehr zugetan war.

In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts berief sich der Psychoanalytiker Wilhelm Reich in seinem mitreißenden Buch: Der Christusmord, auf den fühlenden, erotischen und sexuellen Christus.

Menschen, die ihrem Leben Zusammenhang und Sinn geben wollen, können sich niemals mit dem offiziellen Unsinn abfinden. Der allgemeine Mainstream muss so strukturiert sein, dass auch die allgemeine Blödheit (Michael Schmidt-Salomon) noch zufrieden zu stellen ist. Wer diesem Mainstream nicht folgt, wird schnell und unschwer viele Spuren finden, die ihn/sie zu einem erfüllten Leben führen können. Aber – eben nur dann!

 

20.09.2012