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Nachruf auf Fritz Roth

Gespeichert von admin am 21 Dezember, 2012 - 03:26

Lieber Fritz Roth!

Nun hast Du Deine Reise zur Seidenstraße doch nicht mehr geschafft. Als Dein Freund Wolfgang von Deinem Traum in Fernsehen erzählte und auch dies, dass er Dir gesagt hat: „Fritz, nimm mich mit!“, habe ich sofort bei Deiner Todesnachricht gedacht: „Lieber Fritz, so eng darf Eure Freundschaft nicht sein. Wolfgang hatte Dich gebeten ihn zur Seidenstraße mitzunehmen, aber nicht ins Jenseits.“

Ich rede Dich mit Vornamen an, obwohl Du Dich an mich nicht erinnern kannst. Ich war einmal mit einer Bremerhavener Steinmetzgruppe bei Dir und wir haben Dein Werk besichtigt und Dir zugehört. Auch haben wir nie Brüderschaft getrunken. Aber Du als Bestatter und ich als Freier Redner wissen sehr genau, dass im Tode alle Titel und vornehme Distanzierungen nichts mehr gelten. Da kann ich Dich gleich mit Du anreden.

Als ich vor 26 Jahren mit meiner Arbeit als Trauerredner begann, hatte ich zwar Religion, Tradition und das allmächtige „man“ gegen mich und konnte mich nur auf allgemeine Vernunft berufen und bin dennoch seither konsequent und alleine meinen Weg weitergegangen. Im Gegensatz zur Dir hat mich die Öffentlichkeit nie wahrgenommen und das ist gut so, denn ohne diese Ablenkung konnte ich meinen Weg besser fortsetzen.

Jetzt, wo Dein Weg angesichts Deines Todes immer öffentlicher wird, erlebe ich die stille Befriedigung der Richtigkeit auch meines Weges, denn unsere beiden Wege sind inhaltlich deckungsgleich.

Ich danke Dir für Deinen Ansatz aus der Vernunft heraus, die, wenn sie vernünftig ist, sehr sorgfältig mit dem Gefühl umgeht und ich danke Dir für Deinen Weg in die Öffentlichkeit, der mir viel Rückendeckung gegeben hat.

Ich fasse Deine Wirkung auf mich und meine Arbeit mit einem Vierzeiler in Anlehnung an den Zen-Meister Ikkyu zusammen:

Wie eine Wolke

nur eine Wolke

und doch

und doch